DIE SCHWEIZER FAMILIE
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Das Werk

Die am 14. März 1809 im Kärntnertortheater Wien uraufgeführte Schweizer Familie von Joseph Weigl (Musik) und Ignaz Franz Castelli (Text) wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem dauerhaften Erfolg, mit über 200 Vorstellungen in Wien und 100 in Berlin. In Übersetzungen spielte man sie sogar in ganz Europa. Als Singspiel mit Musiknummern und gesprochenen Dialogen war sie die populärste deutsche Volksoper zwischen der Zauberflöte und dem Freischütz im Vorfeld der deutschen romantischen Oper (sowie der komischen Oper Albert Lortzings). Die bedeutendsten Wiener Sänger der Zeit wie die Sopranistin Anna Milder-Hauptmann (Darstellerin der Leonore in allen drei Fassungen des Fidelio) und der später als Schubert-Sänger bekannte Tenorbariton Johann Michael Vogl, sangen in der Uraufführung und erlangten ihre außerordentliche Popularität und europäische Geltung in den Rollen der Emmeline bzw. des Jacob Fribourg in der Schweizer Familie.
Der junge Franz Schubert bewunderte und liebte das Werk sein Leben lang und selbst Richard Wagner, der die Oper mehrmals dirigierte und sogar dafür eine Einlage-Arie komponierte, schrieb darüber anerkennend, die Schalmeimelodie im 1. Akt des Tannhäuser sowie die Hirtenweise im 3. Akt des Tristan könnten wohl im einfachen, hinter der Bühne erklingenden Klarinettenreigen des 3. Akts der Schweizer Familie ihr Vorbild haben.
Seit der Münchner Aufführung 1918 unter Bruno Walter mit Maria Ivogün und Karl Erb ist die Oper jedoch nicht mehr gespielt worden.


 
   

Der Inhalt

Wallstein, ein reicher deutscher Graf, erlebt während eines Aufenthaltes in den Schweizer Alpen einen Bergunfall. Zufällig wird er von einem Schweizer Bauern gerettet, dem er zum Dank ein sorgenfreies Leben in Deutschland bieten möchte. Er lässt deshalb dessen Schweizer Heimat auf seinem Gut nachbilden und holt den Bauern samt seiner Familie zu sich nach Deutschland. Emmeline, die Tochter des Bauern, wird jedoch vor Liebeskummer bis in den Wahnsinn getrieben, da ihr Geliebter in der Schweizer Heimat verblieben ist. Der Graf aber, der ihre heimliche Herzensverbindung zum Hirten Jacob Fribourg ahnt, lässt diesen aus der Schweiz auf sein Gut bestellen. Nach einigen unterhaltsamen Verwechslungsszenen finden die beiden Liebenden schließlich zu einander.
Der Inhalt der Oper, bei dem die romantische Verklärung der Schweizer Landschaft einen wesentlichen Aspekt darstellt, trug maßgeblich zu einer nachhaltigen Schweiz-Begeisterung in Europa bei.

 
   

Die Autoren

Der Komponist Joseph Weigl
wurde 1766 in Eisenstadt im österreichischen Burgenland geboren.
Schon die Eltern von Joseph Weigl (1766-1846) hatten unter Joseph Haydn am Hofe des Fürsten Esterházy gewirkt. Auf Grund dieser Verbindung wurde Haydn Patenonkel von Weigl. Nach seiner Ausbildung in Wien war Weigl an der musikalischen Einstudierung der Ur- und Erst- Aufführungen von Le nozze di Figaro (1786) sowie Don Giovanni (1788) beteiligt. Schon bald übernahm er auch die musikalische Leitung dieser Werke seines engen Freundes Mozart. 1790 wird er Theaterkapellmeister an den Wiener Hoftheatern und 1792 erster Theaterkapellmeister.
Bis zur Oper Die Schweizer Familie hatte er bereits 20 andere Opern komponiert, darunter zwei Opern für die Scala di Milano. Ab 1802 wirkte er als fest angestellter Kapellmeister der Hofoper in der Nachfolge Antonio Salieris, der grauen Eminenz des Wiener Musiklebens. Von 1827 an war er Vizehofkapellmeister in der Hofburgkapelle, eine Position, um die sich Schubert vergeblich beworben hatte. 1839 wird Joseph Weigl pensioniert. Im Laufe seiner gesamten Schaffensphase komponierte Weigl 11 Messen, zirka 34 Opern und Singspiele, 18 Ballette, 2 Oratorien und 22 Kantaten. 1846 stirbt Weigl im Alter von 80 Jahren in Wien.

 
   
Der Librettist Ignaz Franz Castelli
wurde 1781 in Wien geboren.
Als Textautor galt Ignaz Franz Castelli als der wohl bekannteste Journalist, Librettist und Opernübersetzer Wiens seiner Zeit.
Befreundet mit Carl Maria von Weber und Giacomo Meyerbeer, arbeitete er auch mit Schubert und dem Zauberflöten-Librettisten Schikaneder eng zusammen. Ferner prägte er durch seine Korrespondenzberichte vom Wiener Kulturleben die Wahrnehmung der Stadt im ganzen deutschen Sprachraum maßgeblich. Bekannt war Castelli nicht nur als feinfühliger Übersetzer und Librettist von Stoffen wie der Schweizer Familie, sondern auch für seinen pikanten Humor, den er in seinen Gedichten im Wiener Dialekt und zahlreichen bissigen Bühnenwerken drastisch unter Beweis stellte.
Als populärer und vielseitiger Dichter des Wiener Biedermeier verfasste er ab 1811 für das Wiener Kärntnertor- und Burgtheater rund zweihundert Stücke. 1819 gründete Castelli die Dichter- und Künstlervereinigung Ludlamshöhle, der bald bedeutende Persönlichkeiten des Wiener Geistes- und Kulturlebens angehörten, unter anderem F. Grillparzer, J. G. Seidl, M. G. Saphir und H. Anschütz. Von 1945-1972 wurde die Ludlamshöhle von Wiener Literaten erneut ins Leben gerufen, erlangte aber keine vergleichbare Bedeutung mehr wie zu Castellis Zeit.
 
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