DIE-SCHWEIZER-FAMILIE
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Grußworte

S.E. Dr. Johann Bucher
Botschafter der Schweiz in Österreich

Eine "künstliche" Schweiz in Deutschland, ersonnen von zwei Österreichern der Biedermeierzeit, vorgestellt von einem internationalen jungen Ensemble aus weit mehr als den drei europäischen Staaten: Im Libretto und in der Musik dieses Singspiels werden Fragen nach mentaler Identität, Authentizität und Heimatgefühlen im fremden Umfeld diskutiert, Themen, die uns auch heute stets begegnen.
Eine der wichtigsten Wiener Biedermeieropern, populär und für das Bild der Schweiz im Ausland jahrzehntelang prägend, ist nach fast hundert Jahren wieder in einer szenischen Produktion zu erleben. Die Vorstellungen finden im Schönbrunner Schlosstheater statt, in dem "Die Schweizer Familie" vor fast 200 Jahren bereits kurz nach der Uraufführung in der Originalproduktion präsentiert wurde, u. a. vor dem französischen Kaiser Napoleon. All diese Aspekte wecken Erwartungen auf die Begegnung mit einer Produktion, die uns neugierig macht und zu einem interessanten Diskurs führen kann.


Dr. Johann Bucher

 
   

I.E. Dr. Bettina Kirnbauer
Generalkonsulin Österreichs
in der Schweiz

Wie kaum eine andere Oper des 19. Jahrhunderts dokumentiert „Die Schweizerfamilie“ von Joseph Weigl die enge kulturelle Verbundenheit der drei Staaten im Zentrum Europas, der Schweiz, Deutschlands und Österreichs. Komponiert von einem burgenländischen Komponisten und uraufgeführt in Wien, trat sie sogleich einen Siegeszug über alle deutschsprachigen Bühnen an und blieb lange eine der meistgespielten Opern überhaupt. In ihrem Sujet und dem Erfolg spiegelt sich die Begeisterung der Nachbarn für die Schweiz, ihre Natur, ihre Bevölkerung und vor allem die an dieses Land geknüpften Ideale von Freiheit und Unabhängigkeit. Dass diese Oper nun von jungen Künstlern, die in den drei Staaten beheimatet sind, der Vergessenheit entrissen wird, darf daher als doppelter Glücksfall bezeichnet werden: Nicht nur wird einem bedeutenden Werk der Operngeschichte endlich wieder die angemessene Aufmerksamkeit zuteil, sondern in der Kooperation zwischen den drei Aufführungsorten Wien, Zürich und Berlin erfolgt zugleich ein Brückenschlag, der dem Grundgedanken der Oper und seiner begeisterten Aufnahme Rechnung trägt und ihn in beglückender Weise aktualisiert. Ich wünsche allen Mitwirkenden dieser außerordentlichen Produktion, daß sich der einstige Siegeszug der Oper für sie wiederholen möge.

Dr. Bettina Kirnbauer

 
   


S.E. Dr. Werner Baumann
Botschafter der Schweiz in Deutschland

Die Schweizer Familie - eigentlich wäre schon der Titel allein ein ausreichender Grund für die Schweizerische Botschaft in Berlin, diesem Projekt mit viel Wohlwollen zu begegnen. Aber auch vom Inhalt her und was die Intentionen der Projektverantwortlichen angeht, mag die Idee für diese Wiederaufführung zu überzeugen. Dieses Schlüsselwerk der Frühromantik zeigt das Schicksal einer Schweizer Familie, die aus ihrem heimatlichen Umfeld in der heilen Schweizer Gebirgswelt des frühen 19. Jahrhunderts herausgerissen wird. In Deutschland, muss die Familie aus der Schweiz erneut ihr Glück suchen. Doch die Sehnsucht nach ihrer Heimat und ihrer Bergwelt bleibt. Lassen sich Berge verpflanzen? Wie lange erhält sich ein Heimatgefühl in einem fremden Umfeld? Entwickeln sich kulturelle Microkosmen zwangsläufig zu Ghettos oder entsprechen sie dem berechtigten Streben nach Verwurzelung in fremder Erde? Themen, die gerade im Zeitalter der zunehmenden Mobilität keineswegs an Aktualität und Bedeutung verloren haben. Joseph Weigls Biedermeieroper hat einen direkten Bezug zu drei deutschsprachigen Staaten. Denn heute, fast 200 Jahre nach der Uraufführung in Wien, wird dieses während langer Zeit in Vergessenheit geratene Werk - in gemeinsamer Zusammenarbeit - wieder aufgeführt, und zwar erneut in Wien, in Zürich und in Berlin. Mit dieser Wiederaufführung bietet sich Musikliebhabern die Möglichkeit, neue, ungewohnten Einblicke in die Entstehungszeit der romantischen Operntradition zu gewinnen. Ich danke allen, die dieses einmalige Ereignis möglich gemacht haben, und bin geehrt, hier in Berlin die Schirmherrschaft über dieses Musikprojekt übernehmen zu dürfen.

Dr. Werner Baumann

 
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